"Straßenfilm", experimenteller Kurzfilm, 1984

16mm, Farbe, Länge 14 min.
Aufführungen auf div. Festivals, u.a. Experimentalfilmfest Osnabrück.
Auch vom „Straßenfilm“ gibt es keine Abtastung. Das Foto von Thomas Freundner zeigt aber gut, wie der Film in Zusammenarbeit mit Passanten auf der Straße entstanden ist.
1984 habe ich immer noch als Schwarzhörer das Experimentalfilm-Seminar von Prof. Neumann an der HfbK besucht. In der “Abspielstelle” der Hochschule wurden Neumanns strukturalistische Filme “Zufalls-Stadt” und “Zufalls-Horizonte” gezeigt. Rüdiger Neumann beschreibt seine Vorgehensweise für “Zufalls-Horizonte” wie folgt:

„Es wurden zunächst aus den über 4000 Messtischblättern (1:25.000) für das Gebiet der BRD 88 Karten mit Hilfe eines Zufallsgenerators ausgewählt und ein Zufallsschnittpunkt zweier Koordinaten gebildet. In der Zeit von März 1979 bis Februar 1980 habe ich die so festgelegten Orte, im Süden beginnend, aufgesucht. War der Zufallsort mit Hilfe des Messtischblattes in der Landschaft bestimmt, wurde die Kamera in Augenhöhe und in Nordrichtung aufgestellt. Der so festgelegten ersten Einstellung folgten 23 weitere Einstellungen, wozu die Kamera jeweils um 15 Grad weiter nach rechts gedreht wurde. Die Länge der Einstellungen folgt einem einfachen Schema: Am Anfang des Films sind die Einstellungen 6-5-4-3-4-5-6-5... usf. Sekunden lang, werden dann zur Mitte allmählich kürzer, bis auf 1/4 Sekunde, um dann bis zum Ende wieder länger zu werden.“

Was dabei entsteht ist ein sozusagen “objektives” Bild der Bundesrepublik Deutschland. Der “Straßenfilm” stellt einen subjektiven Gegenentwurf dazu dar. Während “Zufalls-Stadt” auf der Prämisse fußt, dass die Wirklichkeit der urbanen Welt, unabhängig von unserer Wahrnehmung, so beschaffen ist, wie es das statistisch erzeugte Querschnittsbild wiedergibt, behauptet der “Straßenfilm” das genaue Gegenteil: Die Welt/die Stadt ist so, wie wir sie sehen.

Dabei bin ich technisch ähnlich vorgegangen, wie mein Lehrer: Ich habe mich mit einer 16mm Bolex an vier von mir sehr persönlich ausgesuchten Stellen in Hamburg aufgestellt, und Passanten gebeten, jeweils drei Blicke drei Sekunden lang zu filmen. Dabei hatten sie die Auswahl zwischen drei Objektiven: Weitwinkel, Normaloptik und Tele. Danach folgt noch ein Portrait des jeweiligen “Kameramannes”.

Mit dem Film habe ich immerhin die Aufnahme als ordentlicher Student an die HfbK geschafft.